Neujahrsempfang

Der erste Sonntag nach dem Erscheinungsfest wird in der Evangelischen Kirchengemeinde Langenau traditionell mit einem von allen Pfarrpersonen gestalteten Gottesdienst begangen, dem sich der Neujahrsempfang im Gemeindehaus anschließt.

Besonderer Höhepunkt des diesjährigen Gottesdienstes waren – nach der Kirchenwahl am 1. Advent 2019 - Verabschiedung und Einsetzung von Kirchengemeinderätinnen und -räten.

Als die Bläserinnen und Bläser des Posaunenchors Langenau (Leitung: Hans-Jörg Häge und Michael Egetenmeyer) den Gottesdienst mit dem „Handelian Song“ eröffneten, zogen Pfarrer und Pfarrerinnen, ausscheidende und neue Kirchengemeinderätinnen und -räte feierlich durch den Mittelgang ein. Pfarrerin Mechthild Martzy führte durch die Liturgie. Nachdem die Bläserinnen und Bläser die Jahreslosung gespielt und auch gesungen hatten, legte Pfarrerin Rebekka Herminghaus sie in der Predigt aus: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“. Sie erinnerte dabei an das Bild des sinkenden Petrus in der Peterskirche, der die helfende und haltende Hand Jesu erfahren hatte und dem dadurch in seinem angesichts der Wellen klein gewordenen Glauben Hilfe zuteil geworden war.

Pfarrer Dr. Martin Hauff dankte den ausscheidenden Kirchengemeinderätinnen und -räten herzlich für die geleistete Arbeit und die Begleitung, Unterstützung und Ermutigung der Pfarrerinnen und Pfarrer in den zurückliegenden Jahren. Es waren dies: Ursula Frank-Lux, Dr. Ulrike Grabert, Friedrich Kern, Eugen Kreiß, Frauke Krug, Christiane Schulz und Ortrud Waiblinger. Mit einem Buchgeschenk und einer Rose wurde der Dank zeichenhaft unterstrichen.
In der Ansprache an die wieder und neu gewählten Kirchengemeinderätinnen und -räte ging Pfarrer Hauff vom Wort des Paulus an die Korinther aus, dass es in einer Gemeinde verschiedene Gaben und Begabungen gebe, dass sich aber alle einem Geist und einem Herrn verpflichtet wissen. „Jede Kirchengemeinderätin und jeder Kirchengemeinderat trägt zum Auftrag, die Gemeinde zu leiten, mit seinen Gaben und Kräften bei, mit seiner Glaubens- und Frömmigkeitsprägung, auch mit dem biografischen und beruflichen Hintergrund, aus dem sie und er herkommen.“, so der Pfarrer. Kirchengemeinderats-Arbeit sei eine weitgespannte, auf jeden Fall aber spannende Aufgabe, zu der den gewählten Kirchengemeinderäten Gottes Geleit und Segen zugesprochen werde.  
Dann traten alle Kirchengemeinderäte, die dem neuen Gremium angehören, nach vorne. Fünf gehörten bereits dem bisherigen Gremium an: Dorothee Clamroth, Ulrike Dunkel, Tatjana Lampe-Ganzenmüller, Rainer Schmid und Kirsten von Thun. Sieben wurden neu gewählt: Sandra Bartolf, Ute Häge, Stefanie Rath, Ingo Schleicher, Rainer Schulz, Jürgen Steck und Johannes Weber. Mit im Kreis standen die Mitglieder des Kirchengemeinderats kraft Amtes, nämlich alle Pfarrpersonen, und von der Orgelempore verfolgte Conrad Schütze die Einsetzung, der in seiner Funktion als Kirchenpfleger Mitglied des Kirchengemeinderats ist. Pfarrer Hauff verlas den Wortlaut der Amtsverpflichtung einer Kirchengemeinderätin und eines Kirchengemeinderats - die Kirchengemeinderäte antworteten daraufhin einzeln und mit Handschlag: „Ja, und Gott helfe mir.“ Die neu eingesetzten Kirchengemeinderätinnen und -räte erhielten das neu erschienene Kirchengemeinderats-Handbuch und eine blühende Rose – als Symbol dafür, dass die Zusammenarbeit blühen und gedeihen kann.

Mit einem von Pfarrerin Martzy und Vikarin Weißenstein vorgetragenen Fürbittgebet, mit Lob- und Dank-Chorälen und einem erhebenden Orgelnachspiel fand ein festlicher Gottesdienst seinen runden Abschluss.

 

Im Gemeindehaus hatte der Festausschuss für den sich anschließenden Neujahrsempfang alles bestens vorbereitet. An zwei Ausgabestellen gab es Getränke und kleine belegte Häppchen, so dass die Gäste sich stärken und ins Gespräch kommen konnten.
Mit dem Preludio von Traugott Fünfgeld eröffnete das Bläserquartett des Posaunenchors offiziell den Neujahrsempfang.
Pfarrerin Mechthild Martzy begrüßte die Gäste aus Politik, aus der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat, aus Bildungseinrichtungen, Vereinen und Institutionen unserer Stadt, aber auch alle Gäste aus der Ökumene und aus umliegenden Gemeinden.
Die Vorsitzende des katholischen Kirchengemeinderats, Ilka Bollmann, überbrachte den neuen Kirchengemeinderätinnen und -räten die herzlichsten Glückwünsche ihrer katholischen Kirchengemeinderatskollegen. Sie wünschte Gottes Segen für die gemeinsame Arbeit im Gremium und sprach noch einen Dank aus: „Danke für das vertrauensvolle Miteinander, die gegenseitige Wertschätzung und die gegenseitige Achtsamkeit in der Ökumene. Wir freuen uns auf die zukünftige gemeinsame Arbeit und wünschen uns, dass sie auch weiterhin von diesem guten Geist getragen ist.“

Nach dem Bläserstück „No Problem“ von Michael Schütz hielt Pfarrer Dr. Martin Hauff seine Neujahrsrede. Er hatte sie dieses Jahr unter das Thema gestellt: „Verantwortung übernehmen – mit Zuversicht und Hoffnung in die Zukunft gehen“.
Gerade im zurückliegenden Jahr seien viele hochgefährliche Brandherde auf unserer Welt ausgebrochen und entfacht worden. Wo wir allerdings nur auf die Feuerflammen starrten und uns darauf fixierten, würden wir gelähmt – denn dann erschienen die Herausforderungen als zu groß, unsere Möglichkeiten hingegen als zu klein. Wo wir uns dagegen unserer Chancen und Potenziale bewusstwürden, da wachse die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und in einem von uns übernommenen Aufgabenfeld Dinge zu verbessern.
Pfarrer Hauff griff im Rückblick auf das vergangene Jahr einige Punkte heraus, an denen in Stadt und Kirche Verantwortung übernommen und Verantwortung eingeübt wurde. Pfarrer Hauff dankte allen, die in Landessynode und Kirchengemeinderat, im Gemeinderat und im Kreistag Verantwortung wahrgenommen haben und wahrnehmen.
Er erinnerte an die „Lange Nacht der Demokratie“ am 25. Mai, in dem das Grundgesetz als Grundlage zur Übernahme von Verantwortung in demokratischen Wahlgremien auf allen Ebenen in den Mittelpunkt gestellt wurde. Die Lange Nacht der Demokratie machte deutlich, dass wir ein hervorragendes Grundgesetz haben – aber, so Hauff, es gelte, sich in der Demokratie und für die Demokratie zu engagieren und die Werte zu verteidigen, die im Grundgesetz festgeschrieben sind, denn Demokratie sei kein sich selbst erhaltendes System -  auf unsere Verantwortung komme es an. Verantwortung sei in Langenau weiterhin wahrgenommen worden im Bereich soziale Gerechtigkeit und Dienste am Nächsten, wo insbesondere die Gründung des Vereins „Gemeinsam – Nachbarschaftshilfe e.V.“ erwähnt wurde, oder auch die Verantwortung für die nachwachsende Generation, hier u.a. mit dem Einsatz gegen den Klimawandel, und die Verantwortung für die Kultur.
Schließlich betonte Pfarrer Hauff, dass es angesichts der turbulenten Wochen des zu Ende gehenden Jahres 2019 wichtig, richtig und wohltuend gewesen sei, dass in Weihnachts- und Neujahrsansprachen unserer Politiker zur „Zuversicht“ aufgerufen worden sei. Aus christlicher Perspektive habe die Zuversicht ihre Quelle in der christlichen Auferstehungsbotschaft, die aufstehen lasse gegen all das, was Leben auf der Erde bedrohe und einschränke. Die Auferstehungshoffnung inspiriere dazu, schon jetzt diese Welt zu verbessern und nicht in den Lamento-Untergangsgesang einzustimmen: Ich kann ja doch nichts tun! „Wir können mit Zuversicht unsere Möglichkeiten und Potenziale einsetzen und zur Verbesserung der Welt beitragen!“, darauf hob Pfarrer Hauff am Ende seiner Rede ab.
Mit dem beschwingten Stück „Dance with me“ von Michael Schütz beendete das Bläserquartett den offiziellen Teil des Neujahrsempfangs, dem sich noch viele Gespräche anschlossen.