14.-16. Februar 2020: Klausurtagung des neuen Kirchengemeinderats

Tagungsort für ihre erste Klausurtagung war das Evangelische Bildungszentrum Haus Birkach.

In Fahrgemeinschaften brachen die Mitglieder des neu gewählten Kirchengemeinderats am Freitag, 14. Februar, zu ihrer ersten Klausurtagung auf. Tagungsort war das Evangelische Bildungszentrum Haus Birkach auf der Filder-Ebene oberhalb Stuttgarts, in der Nähe des Flughafens und der Messe.

Nach Ankunft und Zimmerbezug gab Studienleiter Dr. Michael Gese den Langenauer Kirchengemeinderäten eine kurze Vorstellung der Tagungsstätte. Haus Birkach, so Gese, wurde 1979 eingeweiht und diente zunächst ausschließlich der Ausbildung von Vikarinnen und Vikaren – es war die Zeit der starken Jahrgänge. Die Ausbildung erfolgt zum einen im Pädagogisch-Theologischen Zentrum, was den Religionsunterricht betrifft, zum anderen im Pfarrseminar – auch Geses Arbeitsplatz -, das sich um die Ausbildung in Predigt, Gottesdienst und Seelsorge kümmert. Beide Einrichtungen sind unter demselben Dach.
Nach dem Rückgang der Vikars-Zahlen stand für die Landeskirche die Frage der Zukunft des Hauses an. Ein Verkauf scheiterte, zumal das Haus, geplant vom berühmten Architekten Günter Behnisch, zwischenzeitlich durch die Stadt Stuttgart zum Kulturdenkmal erklärt worden war. So entschied man sich für eine denkmalgerechte und zugleich energetisch zukunftsträchtige Renovierung und nahm neben der Vikars-Ausbildung zahlreiche weitere Arbeitsfelder und Dienststellen ins Haus herein, deren Standorte aufgelöst worden waren.

Zudem wurde übers Wochenende mit dem Tagungsbetrieb begonnen.

Die erste Arbeitseinheit unter dem Thema „Das bringen wir mit“ begann Pfarrer Hauff mit einer kurzen Erinnerung an seine Lieblingsgeschichte von Kirche, den Bericht des Lukas am Beginn der Apostelgeschichte über das Pfingstwunder, der nichts weniger als die „Geburtsurkunde“ der Kirche ist; eine Geschichte, die von be-geist-erten Zeugen Jesu Christi erzählt, nachdem Gottes guter Geist Mutlosigkeit und Angst von ihnen genommen hat; eine Geschichte, die von der Erfahrung erzählt, dass Kirche ein Raum ist, in dem sich unterschiedlichste Menschen verstehen; und eine Geschichte, die daran erinnert, dass christliche Verkündigung durch die Zeiten hindurch von Hoffnung getragen ist, Hoffnung, genährt von der Botschaft der Auferstehung Jesu, inspiriert, diese vorfindliche Welt zu verändern und zu verbessern.
Daran anschließend ging es um die eigenen Erfahrungen der Kirchengemeinderätinnen und -räte mit Kirche: Meine Geschichte mit Kirche… / mein Bild von Kirche; welche Wurzeln im Leben und im Glauben tragen mich?; Meine guten und schlechten Erfahrungen mit Kirche – diese Fragen klärten die Kirchengemeinderäte zuerst für sich mit Stichworten oder Legematerialien, tauschten sich dann zu zweit aus und brachten schließlich die wichtigsten Erfahrungen ins Plenum ein – eine intensive, gewinnbringende Runde.

Der Samstagvormittag stand – nach einem Wort zum Morgen in der Kapelle von Haus Birkach durch Pfarrerin Herminghaus – im Zeichen dichter Information.

In ansprechenden Powerpoint-Präsentationen wurden die neuen Kirchengemeinderätinnen und -räte bekannt gemacht zunächst mit dem Aufbau unserer Landeskirche.

Pfarrer Hauff ging von der Ortsgemeinde aus und führte dann in die Größen Kirchenbezirk / Distrikt, Prälatur, Landeskirche und Evangelische Kirche in Deutschland ein.

Pfarrerin Herminghaus zeigte auf, dass Diakonie eine Wesensäußerung von Kirche ist, die aber bereits im Judentum fest verankert war, und sie stellte die Vielzahl diakonischer Einrichtungen und Initiativen in Langenau vor.

Pfarrerin Martzy gab einen Einblick in die universitäre theologische Ausbildung, auf die das Ausbildungsvikariat aufbaut, das Vikarin Weißenstein gerade durchläuft, bei uns in der Kirchengemeinde, und zu wesentlichen Teilen auch an unserem Tagungsort Haus Birkach, und das sie den Kirchengemeinderäten erläuterte.  

Noch vor der Mittagspause wurden Ämter, Aufgaben und Ausschüsse im Kirchengemeinderat vorgestellt, damit über die Mittagspause jede und jeder sich Gedanken machen konnte, wo sie und er sich künftig schwerpunktmäßig einbringen möchte.

Die Mittagspause wurde für einen wichtigen kulturellen Programmpunkt genutzt: Mit der Straßenbahnlinie 15 fuhr der Kirchengemeinderat vom Fernsehturm aus die wunderschöne alte Strecke Richtung Zentrum. Auf der Fahrt gab es immer wieder wundervolle Ausblicke aufs vorfrühlingshafte Stuttgart. Zielpunkt war die Stuttgarter Stiftskirche, die Zentralkirche des evangelischen Württemberg und Predigtstätte des Landesbischofs, der Prälatin von Stuttgart und des Stiftspfarrers.
Heide Quandt, Mitarbeiterin der Stiftsgemeinde und seit Jahrzehnten Kirchenführerin, erwartete die Langenauer Gruppe. In einem kurzweiligen historischen Durchgang spannte sie den Bogen von Graf Eberhard dem Erlauchten (1265-1325), der zwischen 1310 und 1320 das Stift Beutelsbach nach Stuttgart an die „Heilig-Kreuz-Kapelle“ verlegte – damit begann der Aufstieg der bisher unbedeutenden Kapelle. Die Reformation zog 1534 in Württemberg ein; nach der Schlacht bei Lauffen, in der die Württemberger die Habsburger besiegten, hielt der hessische Hofprediger Konrad Oetinger in der Stiftskirche die erste evangelische Predigt. Die Stiftskirche wurde dann langjährige Wirkungsstätte des württembergischen Reformators Johannes Brenz, der nach seinem Tod unter der Kanzel begraben wurde – und in Zeiten der Gegenreformationen einen an der Pest verstorbenen Jesuitenpater an die Seite gelegt bekommen hatte.
Nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und notdürftiger Wiederherstellung hat die 2003 abgeschlossene Renovierung wieder einen lichtdurchfluteten Kirchenraum geschaffen, der vorhandene alte Ausstattungsstücke mit mutigen neuzeitlichen Elementen stimmig kombiniert. Abschluss der Führung mit Heide Quandt war die Unterkirche, in der älteste Fundamente sowie die Gruft des Hauses Württemberg zu sehen sind, die zugleich aber auch als Gemeindesaal für Kirchcafé und Mitarbeiterbesprechungen genutzt wird.

In der Abend-Einheit ging es zunächst darum, die Ämter und Ausschüsse zu besetzen. Der Kirchengemeinderat legte in einer ersten Abstimmung fest, dass der 1. Vorsitz des Kirchengemeinderats beim geschäftsführenden Pfarramt bleibt. Aus vier Kandidatinnen und Kandidaten wurde im dritten Wahlgang Rainer Schulz zum neuen zweiten Vorsitzenden des Kirchengemeinderats Langenau gewählt. Der herzliche Dank des Gremiums erging an alle, die sich für eine Kandidatur bereit erklärt hatten. Dem neuen zweiten Vorsitzenden wurden Glück- und Segenswünsche und der Wunsch nach guter Zusammenarbeit mit auf den Weg gegeben. Festausschuss, Bauausschuss, Diakonieausschuss und viele weitere Aufgaben wurden verteilt.

In einer weiteren Runde wurden aus den positiven Erfahrungen mit Kirche, die die Kirchengemeinderäte genannt hatten, Arbeitsaufträge und Ziele fürs neue Gremium abgeleitet. Auch wurden das, was das alte Gremium dem neuen mit auf den Weg geben wollte, aufgegriffen, und weitere Punkte gesammelt, die dem neuen Gremium für die künftige Arbeit wichtig sind. Pfarrerin Martzy rundete den Tag mit Gedanken zur Nacht in der Kapelle ab.

Am Sonntag gab es einen Spaziergang über Feld zur Asemwald-Kapelle, einem 1998 eingerichteten Sakralbau inmitten dreier riesiger Wohnblöcke. Der Kirchengemeinderat wurde herzlich begrüßt von Pfarrerin Claudia Weyh; nach dem Gottesdienst erklärte Pfarrerin i.R. Christel Hildebrand Ausstattungsstücke und – je nach Kirchenjahreszeit wandelbares – Wandbild hinter dem Altar.
Die Einladung zum Kirchcafé ließ etwas von der Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Gemeinde spüren.

Mit einem Gottesdienst-Nachgespräch und letzten Absprachen wurde eine intensive Start-Klausur abgeschlossen, bei der auch genügend Raum für Austausch, Begegnung und Kennenlernen war.