Schadensbeschreibung

Durch die Umbaumaßnahme hatte bereits Helmut Bornefeld Bedenken mit der Haltbarkeit des Zustandes der Orgel.
Nun, rund 40 Jahre später, müssen wir feststellen, dass Bornefeld mit seinen Überlegungen durchaus richtig lag:

Die Windladen, ...

... welche im Kern unverändert die alte Substanz enthalten, sind durch die Teilung und Ergänzung, sowie Trocknungsschäden durch die Warmluftheizung sehr in Mitleidenschaft gezogen worden. Lederteile an den Windladen, v.a. die Kegelhubmembranen, sind noch von 1906, was dazu führte, dass das Leder im Laufe der Zeit verhärtete oder undicht wurde und die Ansteuerung sich somit verzögerte.

Elektrik

Durch Abnutzung und Verschleiß ist der Zustand der gesamten elektrischen Teile in der Orgel selbst, sowie im Spieltisch, äußerst schlecht geworden: Metallkontakte, die nur aus Blech bestehen, sind oxydiert, Spulenmagnete reagieren sehr langsam oder fallen ganz aus, Lötstellen brechen auf.
Die sehr primitive und unsachgemäße Verlegung der Elektrik innerhalb der Orgel erschwert eine Fehlersuche erheblich und führt außerdem dazu, dass im Falle eines Kurzschlusses im Innern der Orgel sehr leicht ein Brand ausbrechen könnte, da Abschirmungen zwischen Elektrik und den alten Orgelteilen aus Holz nicht vorhanden sind.

Bälge

Die 1966 neu eingebauten Bälge der Windversorgung wurden, im Trend der Zeit, nicht mehr mit haltbarem Schafleder bezogen. Es wurde stattdessen ein neu entwickeltes künstliches „Gummituch“  verwendet, das nun, 40 Jahre später, äußerst zäh und unbeweglich geworden ist. Die Regulierung des Windverbrauchs ist somit nicht mehr gewährleistet.

Pfeifenwerk

Ein sehr großes Manko stellt das Pfeifenwerk dar:
Wieder verwendete Pfeifen wurden sehr lieblos abgeschnitten, es blieben Schnittspuren, scharfe Kanten und Beulen übrig. Außerdem wurden die Pfeifen aufgetrennt, um neue Kerne  einzulöten, die der Pfeife ein neues Klangbild geben. Das erneute Zusammenlöten der Pfeifen ist sehr deutlich an den minderwertigeren Lötnähten auszumachen.
Die für Bornefeld typischen Mehrfachregister  bestehen hauptsächlich aus einem wilden Konglomerat dieser überarbeiteten Pfeifen, deren Ursprung in vielen verschiedenen Registern zu suchen ist.
Im Laufe der jahrelangen Stimmpraxis öffneten sich auch hier schlecht verarbeitete Lötstellen, weshalb viele Pfeifen an den Stimmvorrichtungen nur noch mit Klebeband zusammenhalten.

Neu eingebaute Metallpfeifen sind ein Massenprodukt aus den damals schnell arbeitenden Pfeifenbauwerkstätten, welche somit eine nicht überragende Qualität haben.
Einige wenige Holzpfeifenregister wurden nach entsprechender Umarbeitung v.a. für das Pedal wieder verwendet.

Register, welche trotz Umgruppierungen und Veränderungen halbwegs in ihrer Originalität erhalten blieben, wurden spätestens jetzt im Rahmen der Intonation durch manuelle Eingriffe an den Klang- und Stimmvorrichtungen der Pfeifen in ein Klangbild gezwungen, für das sie nie geschaffen wurden.

 

Gehäuse

Die Orgel selbst besitzt kein eigentliches Gehäuse. Hinter dem Schmahl‘schen Prospekt, der als Fassade dient, steht das Orgelwerk ungeschützt.

Die vorhandenen Abdeckungen aus Sperrholzplatten sind weder zur Klangbündelung noch zur Schmutzabwehr ausreichend.

Verschmutzung

Aus Ermangelung eines schützenden Gehäuses ist das Orgelinnere übersät mit Schmutz. Dieser reicht von Putzbrocken aus der Westwand über Steine aus der Decke bis hin zu Vogel- u. Mauskot. 

 

Pilzbefall in der Orgel

Das gesamte Orgelinnere ist von Stockflecken, einer Pilzart, befallen.
Sowohl Lederteile als auch Holzpfeifen und Pfeifenhalterungen sind betroffen.

Mängelprotokoll

 
Quintade 8’  g’’’, d’’’ Heuler   
Rohrflöte 4’  a’’  Heuler   
Rohrnasat 2 2/3‘ d’’Heuler   
     
Im Januar und Februar sind im Manual III nur noch 2 Register spielbar.
     
Im Manual II fallen die Töne d’ und e’ ganz aus.
     
Oktave 4’Registerschalter defekt   
Waldflöte 2’  c’Ton nicht spielbar   
Trompete 8’  f’’’, g’’’Töne nicht stimmbar