Die Link-Orgel von 1907 bis 1964

Zwischen November 1906 und April 1907 wurde das neue Instrument in der Giengener Orgelbauwerkstätte der GEBRÜDER LINK erbaut und danach in der Martinskirche auf der unteren Empore, der jetzigen Orgelempore, aufgestellt.
Der alte Orgelprospekt von SCHMAHL wurde im zweiten und vierten Feld verbreitert und als Front der neuen romantischen Orgel wieder verwendet.
Das Werk erhielt 32 Register, die auf zwei Manualen und Pedal verteilt waren, sodann wurden pneumatische Kegelladen, eine „Röhrenpneumatik nach unserer bewährten Construktion“ und ein Gebläse „vorerst Fußbetrieb“ eingebaut.
Die Intonation der Orgel war dem spätromantischen voluminösen Klangsinn der Jahrhundertwende angepasst und basierte auf vielen Grundstimmen mit vielen unterschiedlichen Klangcharakteren mit einer dynamischen Bandbreite vom leisesten Hauch bis zum gewaltigen Fortissimo.
Insgesamt kostete der Orgelneubau 9470 Mark.

Link-Orgel, Fotografie nach 1930

Folgende Disposition wurde verwirklicht:

 
I. Manual, Hauptwerk (C-g’’’) II. Manual, Schwellwerk (C-g’’’)
Bourdon 16’ Salicional    16’
Principal    8’ Principalfloete  8’
Groß Gedeckt  8’ (zwei Labien) Viola di Gamba  8’
Fugara  8’ Flauto amabile   8’
Gemshorn  8’ Lieblich Gedeckt  8’
Floete  8’ Dolce   8’
Salicional  8’ Voix céleste   8’ (ab c0)
Octav  4’ Flauto dolce   4’
Spitzfloete  4’ Fugara  4’
Kleingedeckt  4’ Waldfloete  2’
Quinte  2 2/3’ (Auszug Mixtur) Cornett (3-5fach)  8’
Octav  2’ (Auszug Mixtur)   
Mixtur(5fach)  2 2/3’   
     
Pedal, (C-f’)

 

  

 

Principalbass16’ Koppeln: 
Subbass16’ II/I, I/P, II/P, I 4’, II/I 16’ 
Violonbass16’ Spielhilfen: 
Harmonikabass16’ Piano, Mezzoforte, Forte, Tutti,
Bourdon16’ (Transmission I. Man) Auslöser, Schwelltritt 
Octavbass  8’   
Cello  8’   
Hohlfloete  4’   

Im Jahre 1913 wurde in der Orgel ein großer Elektromotor eingebaut, sodass der bis dahin noch benötigte Kalkant, der das Instrument mittels „Fußbetrieb“ mit Wind versorgte, überflüssig wurde.

Auf Anordnung des Reichskriegsministeriums wurden im Jahre 1917 auch in Langenau die Zinnprospektpfeifen der Orgel beschlagnahmt und zu Rüstungszwecken eingeschmolzen.
Ende des Jahres 1919 konnten Ersatzpfeifen aus Zink durch die Werkstätte LINK hergestellt werden, sodass ab Mitte Dezember die unansehnliche Lücke im Orgelprospekt wieder geschlossen werden konnte.

Um für die Chorarbeit ausreichend Platz auf der Orgelempore zu bekommen, wurde im Jahr 1930 der bis dahin mittig auf der Empore stehende Spieltisch der Orgel seitlich auf die Höhe der Kanzel versetzt. Außerdem rückte man die Emporenbrüstung um rund 30 Zentimeter nach außen und schuf für den Chorleiter eine „Dirigentenkanzel“, die in die Brüstung eingefügt wurde.

In der Sitzung des Kirchengemeinderates im August 1962 wurde zum ersten Mal die nicht mehr voll funktionstüchtige Orgel erwähnt und eine klangliche Verbesserung des Instrumentes in Erwägung gezogen.
Der zuständige Orgelpfleger, KMD HELMUT BORNEFELD aus Heidenheim, schlägt in seinem Gutachten vom 1. November 1962 einen auf „einen Neubau wartenden“ Umbau der klanglich „völlig überholten“ Orgel vor.

BORNEFELD wollte eigentlich einen Neubau-Vorschlag verwirklichen und riet dringend von Umbauten ab, da ein Orgelprojekt eine Anschaffung für viele Jahrzehnte sein müsse. Außerdem sah er voraus, dass eine Modernisierung lediglich eine Hinauszögerung der generellen Orgelfrage sei. Sehr eindrücklich schrieb er der Kirchengemeinde, dass „unsere Nachfolger sehr wenig Verständnis für eine solche Lösung“ haben werden.

Trotzdem beschloss der Kirchengemeinderat in seiner Sitzung vom 10. Dezember 1962 einen klanglichen Umbau des Instrumentes nach den Plänen von Helmut Bornefeld vorzunehmen. Gegebenenfalls könnte das veränderte Klanggut in eine neue Orgel übernommen werden.

Der Auftrag zum Klangumbau der Orgel wird am 8. Februar 1963 an die Werkstätte LINK in Giengen vergeben.